Montag, 8. Juni 2015

28. Mai - 8. Juni: Steine und Skyline

Jetzt ist er also da, der Hiker-Hunger! Ich lasse auch im Rest von Pensilvania keine Gelegenheit aus um zu Essen. Die Steine werden auch immer mehr,so dass ein weiterkommen eher schwer ist, trotz recht flachem Profil. Vorallem sie letzte Etappe nach Delaware Water Gap hat es wirklich nochmal in sich. Doch dann soll angeblich Schluss sein mit Steinen. Ich glaube nicht so recht daran...

Am nächsten Tag geht es also rein nach New Jersey, dem nächsten Bundesstaat, dem siebten bisher. Nun, die Steine werden anfangs tatsächlich etwas weniger, doch so richtig weg gehen wollen sie nicht. Dazu ist die Signalisation katastrophal. Einmal komme ich auf eine Wiese und sehe wiedermal keinen White Blaze, den weißen Strich am einem Baum oder Stein. Ich sehe einen Weg geradeaus in Wald verschwinden. Dort finde ich dann auch wieder die weissen Markierungen, allerdings ziemlich ausgewaschen. Ich denke mir noch nichts dabei und laufe den Weg hinunter. Dann steht da "Bostrich" mitten im Wald. Er scheint recht verstört zu sein. Ich soll voraus gehen, er wisse nicht mehr weiter. Er suche seit einer halben Stunde den Trail. Okay, ich gehe voran. Dich dann ist da nichts mehr. Keine Markierungen, nichts. Zurück. Wir finden weitere Markierungen, weiter den Berg hinunter. Doch das Höhenprofil sagt, dass es hoch gehen müsste. Mir schwannt langsam böses. Wir sind auf einem alten Teil des AT's! Jetzt kommt auch noch "Sparkles" den Weg hinunter. Alles zurück bis zur Wiese. Oh Wunder, von der anderen Seite kommend sieht man tatsächlich einem White Blaze...

Nach dem verwirrenden New Jersey geht es nach New York. Eine der interessantesten Landschaften bisher. Sehr felsig. Zum Teil gibt es schon fast leichte Kletterpartien. An einem morgen stehe ich zusammen mit "Tennessee Ted" auf einem Bergkamm. Den höchsten Punkt auf dem AT in New York. Wir schauen auf den See und das Dorf unter uns. Als ich so auf den Horizont sehe, glaube ich nicht richtig zu sehen. He, Tennessee, was ist das?!? Wir sehen ganz deutlich die Skyline von New York vor uns! Ein toller Anblick. Mir kommt sofort Udo Jürgens Lied "Ich war noch niemals in New York " in den Sinn. Als ich das Lied dann nochmal bewusst höre, stelle ich fest, dass es so ziemlich das Gegenteil von dem Leben aussagt, dass ich momentan führe. Ich habe die totale Freiheit, keine Abhängigkeiten. Dafür bin ich sehr dankbar!

Als ich den Text geschrieben habe, liege ich noch in New York in einem Shelter. Es regnet. Ich werde aber heute noch in den nächsten Bundesstaat gelangen, Connecticut. Allmählich kommt bei mir das Gefühl auf, dass der Weg bald zu Ende geht. Ich habe jetzt dann bald 2/3 geschafft. Es sind "nur" noch ca. 730 Meilen zu gehen. Mit einem freudigen, aber auch einem weinenden Auge schaue ich auf diese letzten Meilen voraus...

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