Dienstag, 23. Juni 2015

9. - 23. Juni - Hochs und Tiefs

Connecticut, Massachusetts, Vermont. Das ging jetzt aber schnell! Ich bin mittlerweile in New Hampshire angelangt.
Vermont hat mich mit typischem Wetter empfangen: Regen. Da macht das Wandern dann recht wenig Spass. In Vermont hatte ich mehr Regen als auf dem ganzen restlichen Trail.

Zuvor hatte ich etwas Motivationsschwierigkeiten weil ich das Ziel schon vor Augen sehen. Irgendwie freue ich mich darauf endlich das Ende zu erreichen, andererseits gefällt mir das Leben gerade sehr gut, wie es ist. Nun, irgendwann hat alles ein Ende.

Den perfekten Trailtag erlebte ich als ich in Manchester Center einen Resupply machen wollte. 6.30 Uhr gestartet (so früh wie noch nie bisher), um 13 Uhr nach 21 Meilen die Strasse erreicht, zwei Minuten gewartet, eine Mitfahrgelegenheit erhalten, dabei auch gleich noch eine Einladung erhalten wenn ich in Hanover bin, bei McDonalds geskypt, eine neue Luftmatratze auf Garantie bekommen, Resupply gemacht, aus dem Laden gekommen, drei nette Leute geben mir eine Fahrt zurück zum Trailhead, noch drei Meilen den Berg hoch zu einer Skistation. Das war der perfekte Tag. Jetzt wo ich das schreibe bin ich bei Liz und Chuck in der Nähe von Hanover.

Dann gab es aber auch weniger gute Tage. Vorgestern hatte ich das erste mal leichte gesundheitliche Probleme. Bauchschmerzen. Ein schlechter Riegel? Schlechtes Wasser? Auf jedenfall musste ich nach 11 Meilen in einen Shelter. Ich konnte nicht mehr. Die Nacht war dann auch nicht gerade erholsam. Am nächsten Tag ging es aber einiges besser und ich konnte wieder 23 Meilen laufen. Hoffe das ist das erste und letzte mal gewesen, dass mir die Gesundheit einen Streich spielt! Die Gesundheit ist das wichtigste überhaupt. Dieser Standardspruch gilt für mich wirklich sehr ernst.

Jetzt geht es dann bald in die Whites. Alles redet davon, wie hart,aber auch wie schön es sein soll. Nun, da muss ich mir wohl selbst ein Bild machen. Bisher wurde ich von den allzu euphorischen Empfehlungen der Amis ja doch sehr enttäuscht...

Noch 442 Meilen zu gehen...
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Montag, 8. Juni 2015

28. Mai - 8. Juni: Steine und Skyline

Jetzt ist er also da, der Hiker-Hunger! Ich lasse auch im Rest von Pensilvania keine Gelegenheit aus um zu Essen. Die Steine werden auch immer mehr,so dass ein weiterkommen eher schwer ist, trotz recht flachem Profil. Vorallem sie letzte Etappe nach Delaware Water Gap hat es wirklich nochmal in sich. Doch dann soll angeblich Schluss sein mit Steinen. Ich glaube nicht so recht daran...

Am nächsten Tag geht es also rein nach New Jersey, dem nächsten Bundesstaat, dem siebten bisher. Nun, die Steine werden anfangs tatsächlich etwas weniger, doch so richtig weg gehen wollen sie nicht. Dazu ist die Signalisation katastrophal. Einmal komme ich auf eine Wiese und sehe wiedermal keinen White Blaze, den weißen Strich am einem Baum oder Stein. Ich sehe einen Weg geradeaus in Wald verschwinden. Dort finde ich dann auch wieder die weissen Markierungen, allerdings ziemlich ausgewaschen. Ich denke mir noch nichts dabei und laufe den Weg hinunter. Dann steht da "Bostrich" mitten im Wald. Er scheint recht verstört zu sein. Ich soll voraus gehen, er wisse nicht mehr weiter. Er suche seit einer halben Stunde den Trail. Okay, ich gehe voran. Dich dann ist da nichts mehr. Keine Markierungen, nichts. Zurück. Wir finden weitere Markierungen, weiter den Berg hinunter. Doch das Höhenprofil sagt, dass es hoch gehen müsste. Mir schwannt langsam böses. Wir sind auf einem alten Teil des AT's! Jetzt kommt auch noch "Sparkles" den Weg hinunter. Alles zurück bis zur Wiese. Oh Wunder, von der anderen Seite kommend sieht man tatsächlich einem White Blaze...

Nach dem verwirrenden New Jersey geht es nach New York. Eine der interessantesten Landschaften bisher. Sehr felsig. Zum Teil gibt es schon fast leichte Kletterpartien. An einem morgen stehe ich zusammen mit "Tennessee Ted" auf einem Bergkamm. Den höchsten Punkt auf dem AT in New York. Wir schauen auf den See und das Dorf unter uns. Als ich so auf den Horizont sehe, glaube ich nicht richtig zu sehen. He, Tennessee, was ist das?!? Wir sehen ganz deutlich die Skyline von New York vor uns! Ein toller Anblick. Mir kommt sofort Udo Jürgens Lied "Ich war noch niemals in New York " in den Sinn. Als ich das Lied dann nochmal bewusst höre, stelle ich fest, dass es so ziemlich das Gegenteil von dem Leben aussagt, dass ich momentan führe. Ich habe die totale Freiheit, keine Abhängigkeiten. Dafür bin ich sehr dankbar!

Als ich den Text geschrieben habe, liege ich noch in New York in einem Shelter. Es regnet. Ich werde aber heute noch in den nächsten Bundesstaat gelangen, Connecticut. Allmählich kommt bei mir das Gefühl auf, dass der Weg bald zu Ende geht. Ich habe jetzt dann bald 2/3 geschafft. Es sind "nur" noch ca. 730 Meilen zu gehen. Mit einem freudigen, aber auch einem weinenden Auge schaue ich auf diese letzten Meilen voraus...

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Samstag, 30. Mai 2015

27. Mai: Essen,Essen und Cabelas

Essen, Essen, das ist alles was ich will! Ich muss wieder zu Kräften kommen. Ich gehe zuerst zu Fuss einige Meilen nach Hamburg. Zuerst Burger. Macht mich leider gar nicht satt. Dann Cabelas. Immer wieder toll diese Jagdläden zu sehen. Siehe Fotos.
Dann Steakhouse. Ein tolles Steak essen, während es draussen in Strömen zu Regnen beginnt. Dann noch kurz Einkaufen. Zurück pwr Autostopp. Ins Hotel. Laufen mag ich heute nicht mehr. Ein weiteres mieses Hotel auf dem AT. Port Clinton Hotel. Absolut unterste Schublade. Leider wage ich es dann auch noch das Essen zu probieren. Mit Spaghetti kann man eigentlich nichts falsch machen?! Sich man kann, siehe Port Clinton Hotel! Ich hab gar nicht gewusst, dass Spaghetti so "grussig" sein können...
Ja, die Hotels sind wirklich eine Schande für die USA. Die Amis sagen zwar das sei nur hier so, doch bevor ich nichts sage, wie schlecht das Hotel war, sagen sie nichts. Ich vermute stark, dass das nicht nur hier auf dem Trail so ist...
Leider zeigen die Bilder den Zustand nicht so extrem wie es eigentlich ist...



































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Donnerstag, 28. Mai 2015

23.-25. Mai: Nicht mehr Zwanzig...

Vor meiner Abreise hat mir jemand geschrieben, dass ich bedenken soll, dass ich bzw. wir nicht mehr zwanzig bin/sind. Ich glaube es war Stefan Köhl, oder? Damals dachte ich noch: jaja, du vielleicht nicht, aber ich fühle mich noch ziemlich fit.
Nun, bis letztes Wochenende war das auch so. Ich konnte mit jedem mithalten, wenn ich wollte auch etwas mehr. Eigentlich hab ich den Weg ja auch gemacht, um endlich diesen ganzen Wettbewerbsgedanken aus meinem Leben streichen zu können. Doch immer wieder war da jemand, der schnell unterwegs war und mit dem ich mich gut verstanden habe. Und so war ich bisher einiges schneller unterwegs als ursprünglich gedacht. Mittlerweile bin ich schon einiges über die Hälfte, habe jetzt weniger als 1000 Meilen (1600 km) vor mir. Nur noch ein Katzensprung!

Letzten Samstag starte ich zu einem gemütlichen 24 Meilentag. Am ATC Center in Boiling Springs werde ich von einem Wanderer schon von weitem begrüßt: Hey, 10-Speed!

Mammoth, ein junger Norweger. Er weiß erstaunlich viel über mich. Er sei seit Wochen auf Jagd nach mir. Viele hätten gesagt, ich sei schnell, mache mittlerweile sicher nur 30 Meilentage und könne laufen ohne Ende. Nur weil ich am Anfang etwas schneller war als einige andere, eilt mir also nun so ein Ruf voraus...
Nun, Mammoth ist wirklich schnell. Gestartet am 1. April, also 12 Tage nach mir. Sein längster Tag war ein 62 Meilentag. Das sind HUNDERT KILOMETER!!! Da kann ich mit meinen 34 Meilen über den Rollercoaster nicht mithalten.
Er will aber unbedingt mit mir weitergehen. Also gut, mache ich halt die neun Meilen mehr. Was solls. Dieser Tag geht auch gut, ich fühle mich gut.
Am nächsten Tag sind gleich nochmal 33 Meilen geplant. Ich gehe etwas zu spät los, verplempere dann noch Zeit in einer Stadt und so wird es spät bis ich in den Shelter komme. Ich will nur noch Schlafen. Zum Essen habe ich keine Energie mehr. Ein böser Fehler, wie sich am nächsten Tag herausstellt.
Ich bin völlig kraftlos. Schaffe mit Mühe 17,5 Meilen. Dort kann ich Mammoth nur noch sagen: Geh weiter! Du bist zu stark für mich. Mach dein Ding! (100 Tage für den Appalachian Trail, alle Bundesstaaten der USA ohne Unterbrechung zu durchwandern, inkl zum Abschluss der Höhepunkt: Alaska - nicht gerade auf dem Weg...). Ein extremer Typ. Sehr sympathisch - vorallem für einen Norweger... Ich bin gespannt irgendwann mal von ihm zu lesen, wahrscheinlich in irgendeinem Rekordbuch.

Ich weiß jetzt: ich bin tatsächlich nicht mehr Zwanzig. Aber eigentlich noch recht fit für mein fast schon greises Alter...


Leider aufgrund der mitteralterlichen Entwicklungslage in den Unmodernen Statten von Amerika wieder ohne Bilder...
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Freitag, 22. Mai 2015

22. Mai: Mittelpunkt erreicht

So, der erste Teil wäre geschafft!


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Montag, 18. Mai 2015

12. - 18. Mai: Shenandoha National Park

Was ich noch vergessen habe zu schreiben von Waynesboro, VA: ich habe da einen älteren Herrn getroffen, der denselben Spitznamen bzw. Trailnamen hatte wie ich: 10-Speed. Tom ist pensioniert und fährt seit mehreren Jahren eine große Runde durch die USA. 10000 Meilen bzw. 16000 Kilometer. Wir haben uns natürlich glänzend über das Rennradfahren unterhalten. Er war fasziniert von meinen Geschichten und ich wohl noch mehr von seiner Art zu Leben. Es ist so typisch für viele Amerikaner und dafür bewundere ich sie irgendwie. Er hat eine sehr kleine Pension, eigentlich nicht einmal der Rede wert. Er besitzt kein Haus, kein Auto, usw. Nur sein altes Rennrad und einen selbst gebauten Anhänger. Seine Telefonrechnung bezahlt ihm seine Tochter. Und so zieht er seit etwa fünf Jahren durch das Land. Und er schien mir sehr, sehr glücklich zu sein! Was würde die grosse Allgemeinheit in der Schweiz oder in Europa über so einen Lebensstil denken? Diese Unbekümmertheit bewundere ich an den Amerikanern immer mehr.
Nun, vom Gratis-Campingplatz mit Gratis-Dusche und Gratis-Internet ziehe ich nach meinem zweiten Ruhetag auf dem Trail wieder weiter. Shenandoha National Park ist der nächste Abschnitt. Leider ohne Ginger-T und RockOcean. Beide haben es mit ihrer Aufholjagd wohl etwas übertrieben und leiden an Sehnenscheidenentzündung bzw. haben geschwollene Fussgelenke...

Shenandoha NP: eine weitere Enttäuschung nach dem meistbesuchten Nationalpark der USA, dem Great Smoky Mountains NP. Sehr gut ausgebaute Wege, leider immer im Wald, ohne die meisten Aussichtspunkte, die von der Panoramastrasse, dem Skyline Drive, zu sehen sind, jemals zu Gesicht zu bekommen. Die Strasse überquert man aber unzählige Male und hört die Autis und Wohnmobile sehr oft vorherbei rauschen . So will kein wirkliches Wildniserlebnis aufkommen. Ich sehe zwar einige dieser Weisswedel-Hirsche, z.T. aus fünf Metern Distanz und sie machen keine Anstalten zu flüchten. Doch ist das Wildnis?
Drei Mal hat man im Park die Möglichkeit an einem Restaurant, einem sogenannten "wayside", Halt zu machen und Hamburger, Milchshake und andere Sachen zu absolut überteuerten Preisen zu kaufen. Ja, nach einigen Stunden Wandern leistet man sich den Luxus dann eben...
Aus dem Park raus ist mein Ziel nur noch möglichst schnell nach Harpers Ferry zu kommen. Es ist ungefähr die Mitte des Trails. Es ist jedoch schlechtes Wetter angesagt. Gottseidank hält sich das Wetter meist bis am Abend. So gerate ich einmal in ein heftiges Gewitter, komme aber noch einigermassen trocken zu einem Shelter. Ich beschliesse dort zu bleiben, anstatt noch einen Shelter weiter zu gehen. Das heißt jedoch auch, dass ich am nächsten Tag einige Meilen weiter gehen muss. So werden es dann fast 35 Meilen (ca. 55 km). Leider habe ich ein kleines Detail auf meinem Plan übersehen: "Rollercoaster" (Achterbahn). 13.5 Meilen nur hoch und runter. Dies nachdem ich schon 14 Meilen in den Beinen hatte. Ja, an diesem Abend war ich müde! Doch dann ist die Wasserquelle auch noch eine Viertel Meile steil den Hang runter gelegen. Das sind dann die Extra-Meilen, welche niemand zählt...

Leider kann ich wieder einmal nicht mehr Fotos einstellen...








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Montag, 11. Mai 2015

29. April - 11. Mai: Viel Heiss und Schweiss

In Pearisburg erhole ich mich zusammen mit Ginger T in einem Motel. Landestypisch nicht gerade sauber. Doch nach dem all-you-can-eat beim Chinesen war an ein weitergehen nicht mehr zu denken...
Ginger T erwartet seinen Ersatz-Trekkingstock. Leider ist dieser auch am nächsten Tag noch nicht da. Er wartet, ich gehe weiter. Am Abend hole ich sogar noch Samson ein, der am Abend vorher losgegangen ist. Irgendwann macht er eine Pause für einige Tage und ich bin wieder alleine unterwegs. Auch schön. Jeden Tag treffe ich wieder auf neue Leute.
Beim Abstieg von Dragons Tooth kommt mir auf einmal Cooperhead entgegen. Irgendwer ist hier falsch! Schnell stellt sich raus, dass sie einen Weg hinuntergegangen ist und dann wieder die weissen Markierungen gesehen hat. Nur diesmal aus der anderen Richtung. Sie ist also wieder hochgelaufen...
Vor McAfee Knob gehe ich in ein AYCE Restaurant. Ich habe einen Tisch ganz für mich alleine. Ist auch nötig bei allem was da aufgetischt wird.
McAfee Knob erreiche ich dann frisch gestärkt, aber in größten Touristenstrom. Es ist Sonntagnachmittag... Ich steige ab zum Shelter, gehe abends aber nochmal hoch. Jetzt bin ich ganz alleine. Der bisher schönste Abend auf dem Trail.
In Daleville bekomme ich meine neuen Schuhe und Trekkingstöcke. Ja, ich zähle mich jetzt auch schon zu den alten Leuten, welche am Stock gehen...
Die nächsten Tage gehen gut voran, doch dann beginnt da irgendwas zu zwicken an der linken Ferse. Blasen! Wieso jetzt? Ich hatte noch nie Blasen mit Asics Schuhen. Am nächsten Tag das selbe Spiel nur diesmal rechts. Ich beginne zu überlegen, fluche über die minderwertige Ami-Qualität. Scheisse, ich habe ja auch die Schuheinlage gewechselt. Meine alte natürlich weggeschmissen. Zum Glück habe ich noch die originale Einlage mitgenommen. Super, es funktioniert! Ich habe zwar wieder Schmerzen in den Füßen, aber wenigstens nicht mehr diese Blasen.
Auf der größten Fußgängerbrücke unterhalte ich mich gerade mit ein paar Leuten, als Ginger T ankommt. Und wer kommt da noch? RockOcean! (www.rockocean.com) Seit Hot Springs habe ich ihn nicht mehr gesehen. Die beiden habe ziemlich große Distanzen gemacht in den letzten Tagen. Ich beschliesse mich wieder ihnen anzuschließen. In den nächsten Tagen machen wir 27 und 28 Meilen, immerhin ca. 45 Kilometer. Und es ist nicht flach...
In Waynesboro machen wir einen Ruhetag. Der zweite für mich. Hier treffe ich auch auf "Cheese and Bread", ein Schweizer Paar. Mit ihnen verstehe ich mich sehr gut und es tut richtig gut wiedereinmal schwiizerdütsch u sprechen!
Ab morgen gehts dann durch den Shennadoha NP und bald schon ist die Hälfte des Trails in Harpers Ferry geschafft!

























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